Was mir in meiner Arbeit am häufigsten begegnet, ist die Frage:

Wie lange dauert es, eine Trennung zu verarbeiten?

Oder anders ausgedrückt: Der Schmerz soll aufhören, du willst endlich loslassen, du willst endlich in dein neues Leben starten. Kaum geht es dir einen Tag besser, bemerkst du, dass es am nächsten Tag doch noch nicht vorbei ist,  die Achterbahn der Gefühle bestimmt erneut dein Leben.

Ich hätte diesen Blogbeitrag auch nennen können:

Warum du eine Trennung nicht in ein paar Tagen verarbeiten kannst!

oder

Warum es völlig normal ist, dass eine Trennungsverarbeitung eine Zeit dauert

Denn davon bin ich überzeugt. Es gibt keine Super-Duper-Coaching-Technik und keine Mega-Sonstwas-Methode, die dich sofort in ein glückliches Leben befördert.

Solltest du das hier suchen, bist du hier falsch.

Ich weiß, du bräuchtest jetzt so dringend zumindest eine Aussage, auf was du dich einstellen solltest bzw. etwas, woran du dich klammern kannst! Und ich sage dir: Die Verarbeitungswege sind so unterschiedlich, da kann niemand eine vernünftige Zeit-Aussage bzw. Prognose abgeben.

Das erzähle ich dir, weil ich die Wahrheit sagen möchte. Ich stehe total auf Ehrlichkeit und möchte dich sensibilisieren dafür, dass der Prozess der Trennungsverarbeitung Zeit braucht und das auch total logisch und verständlich ist.

Ich gehe davon aus, dass du tatsächlich eine liebevolle Beziehung verloren hast oder du dich vielleicht selber getrennt hast, aber trotzdem merkst, dass die Verarbeitung schwer ist.

Und ich hoffe, ich kann dir dennoch im weiteren Verlauf hilfreiche Tipps geben!

Vielleicht als erstes schonmal: Du bist nicht allein.

In diesem Moment sind weltweit tausende Frauen (und auch Männer) in der gleichen Situation wie du. Mach dir das bewusst!

Wenn du magst, dann schaue mal nach einem Online-Trennungs-Forum. Dort gibt es unzählige Leidensgenoss*innen, die sich gegenseitig stärken und aufbauen. Ein Forum, mit dem ich seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden bin, habe ich dir unten näher beschrieben und verlinkt.

Du hast bestimmt schon etwas von den Trennungsphasen gehört, oder?

Ich will dir hier kurz skizzieren, welche Phasen in der Fachliteratur am häufigsten auftauchen. Vielleicht magst du da für dich mal schauen, an welchem Punkt du stehst.

Phase 1 – Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens:

Du bist geschockt.

Fühlst dich vielleicht wie gelähmt.

Kannst nicht klar denken.

Du hoffst, dass alles nur ein böser Traum ist und dein Partner gleich um die Ecke kommt und alles wieder gut ist. Du hoffst auf eine Versöhnung.

Innerlich verleugnest du die Trennung und erzählst auch kaum jemandem davon.

Phase 2 – Die Phase der aufbrechenden Gefühle:

Hier hast du Stück für Stück realisiert, dass die Trennung der Realität entspricht.

Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Wut, Hilflosigkeit, Schuld und Herzschmerz nehmen sich ihren Raum und du fühlst dich, als ob der Boden unter deinen Füßen weggezogen wird.

Ich habe am häufigsten mit Frauen zu tun, die sich gerade in dieser Phase 2 befinden. Deshalb will ich da jetzt näher drauf eingehen:

Deine Seele ist jetzt damit beschäftigt, deine Gefühle einordnen zu können. Ein Ausnahmezustand.

 In unserer Gesellschaft ist es so, dass wir überhaupt nicht lernen, mit sogenannten negativen Gefühlen umgehen zu können.

Mit positiven Gefühlen gelingt es von allein prima. Wenn wir zum Beispiel Freude empfinden, Stolz oder Frieden und Harmonie, dann passiert auch auf der hormonellen Ebene so einiges, so dass es wirklich so angenehm ist. Wir sehnen uns danach, solche Gefühle zu haben.

Wenn es aber in die andere Richtung geht (und das Leben ist leider so: Es gibt Schatten und es gibt Licht). Also wenn es um die andere Seite geht, dann sind wir total überfordert und fühlen uns überrollt.

Zum Beispiel von Trauer. Oder von Aggression bzw. Wut zum Beispiel. Wie damit umzugehen? Das geht sogar so weit, dass du auch dann, wenn dein eigenes Kind, oder aber ein Kind aus deinem Umfeld, traurig oder wütend ist, dich fragst, wie  du damit umgehen kannst? Es ist schwer auszuhalten, oder? Und wie schnell kommen beschwichtigende Worte aus unserem Mund, wie zum Beispiel: „Das geht schon wieder vorbei. …“, „War doch nicht so schlimm …“, usw.. Weil wir es weder aushalten können, selber solche Gefühle zu haben, noch wenn andere sie haben (So geht es übrigens auch deinem Umfeld gerade. Total selten können Menschen damit umgehen!).

Wir lernen leider überhaupt nicht, wie wir mit negativen Gefühlen umzugehen können. In unserer Gesellschaft ist es überhaupt kein Thema, wie man mit Gefühlen umgehen kann. Entweder, es klappt von allein, oder man ist gleich psychisch krank oder zumindest instabil.

Und so kommt mein erster Tipp dazu:

Versuche doch mal, dein Gefühl von Trauer oder Hoffnungslosigkeit auszuhalten.

Und zwar nur das Gefühl. Nicht die ganzen Dramen drumherum, die dann in deinem Kopf entstehen. Die ganzen Geschichten, die ganze Bücher füllen können, wahrscheinlich.

Sondern sozusagen in dir selber ein Stück weit die Beobachterrolle einnehmen und gucken, wie ist eigentlich meine Trauer zum Beispiel. Wie äußert sie sich?

Kommt es dazu, dass eine Trauerwelle mal wirklich da sein darf?

Sei dir ganz sicher: sie bleibt nicht. Wenn du es gut trennen kannst und aus der Beobachterposition schaust!!

Von dort aus gesehen, dass du dich wahrnimmst mit deinem Gefühl und innerlich eine Trennung vollziehst von den Geschichten. Die dürfen für den Moment mal zur Seite treten.

Du legst den Hauptfokus jetzt darauf, wie fühlt sich deine Trauer an?

Was passiert dann, wenn die Trauer sein darf? Da kommt diese Gefühlswelle und vielleicht fließen deine Tränen, aber es hat nicht mehr die Dramatik, wie deine Vorstellung ursprünglich war, wie sich Trauer anfühlt.

Vielleicht traust du dich und probierst das einfach aus.

Du signalisierst dir damit: Du darfst genau so sein, mit allen Gefühlen, die jetzt da sind.

Phase 3 – Die Phase der Neuorientierung:

Stück für Stück bemerkst du, dass es besser wird.

In dir entstehen Vorstellungen, dass du trotz der Trennung wieder glücklich werden kannst.

Du probierst neue Dinge aus und nimmst dein Leben in die Hand. 

Jetzt hast du zunehmend mehr Kraft und Energie.

Oft ist es so, dass du neue Seiten an dir entdeckst und Dinge tust, die du früher nie getan hättest.

Phase 4 – Du hast es geschafft!

Die Trennung ist verarbeitet, der Ex-Partner gehört der Vergangenheit an.

Du hast die wesentlichen Punkte verstanden, die das Leben dir zeigen wollte.

Warum es zur Trennung gekommen ist.

Wir ändern uns in der Regel nur, wenn etwas wirklich dramatisch ist.

Und das ist hier oft passiert: Dein Leben hat eine ganz andere Wendung genommen, weil du dich aktiv damit auseinandergesetzt hast, wer du wirklich bist.

Du hast im Lauf der Trennungsverarbeitung erkannt, dass du vollständig bist, auch ohne deinen Partner.

Wir haben zunächst große Angst davor, etwas zu verlieren, können jetzt aber erkennen, was wir dadurch gewonnen haben. 

Du hast viel Vergebungs- und Heilarbeit geleistet, bist nicht mehr in der Opferhaltung gefangen (schau dir gern auch diesen Blogartikel hier an: Bist Du in der Opferhaltung gefangen?) und gestaltest dein Leben nach deinen Bedürfnissen und Wünschen.

Wenn du jetzt hierher gefunden hast, ist es sehr wahrscheinlich, dass du dir gerade nicht vorstellen kannst, jemals in Phase 3 und 4 der Trennungsverarbeitung  anzukommen.

Ich möchte hier nochmal ganz deutlich sagen:

Eine gesunde Trennungsverarbeitung ist ein Prozeß und die Verarbeitung dauert so lang, wie sie dauert!

In dem Moment, in dem du jetzt gerade bist, ist dein ganzes System durcheinander geraten und muss sich neu finden.

Das betrifft so viele Bereiche, das betrifft deine Vision, dein Umfeld, das macht was mit deinem Sicherheitsbedürfnis. Alles kommt ins Wanken und du bist jetzt gefordert, damit umgehen zu lernen. Das ist LERNEN.

Du kannst jetzt nicht sofort die ganzen Lösungen aus der Schublade zaubern und loslegen, wie du dir die verschiedenen Bereiche deines Lebens vorstellst. 

Sei geduldig mit dir und nimm dir Zeit!

Ich kenne es aus Erfahrung, dass es jetzt total wichtig ist, sich auf den Prozess einzulassen. Es wird dich wieder einholen sonst!

Das soll jetzt keine Drohung sein, aber der Prozess ist einfach nicht durchlaufen und ich erlebe immer wieder Frauen, die einige Jahre später feststellen, dass sich dieselben Dramen in den nächsten Beziehungen wiederholen, weil wesentliche Lebensthemen nicht geklärt sind.

Womit du jetzt sofort anfangen kannst und das wäre schon ein wahnsinnig großer Schritt:

Finde zurück in die Selbstliebe, in die Selbstakzeptanz und in die Selbstwirksamkeit.

Da fängt es schon bei so einer Kleinigkeit an,  dass du genau guckst, wie ist eigentlich deine eigene Haltung zu dir selber.

Du wirst gerade nicht den besten Zugang zu dir selber haben und es ist total wichtig, dass du jetzt damit anfängst.

Jetzt sofort damit anfängst! Dich ab sofort nicht mehr als Versagerin und als beziehungsunfähig und fehlerhaft fühlst.

Ich weiß nicht, welche Vorwürfe du dir machst, aber du wirst dir welche machen, das ist ganz sicher.

Wenn du Lust hast, mach doch mal eine Liste, für was du dich eigentlich alles verurteilst.

Anschließend versuche das zu ersetzen und liebevolle Annahmen dafür zu gestalten.

Wir sind alle Menschen mit Schwächen und Fehlern.

Eine Beziehung, die zerbricht oder vielleicht auch von dir beendet wurde:

Es gehören zwei dazu, die uneingeschränkt den Weg zusammen gehen wollen.

Das der Andere das auch so sieht, darauf haben wir keinen Anspruch.

Wir haben die Dinge nicht oder nur sehr selten tatsächlich in der Hand, eigentlich nie.

Es ist bis heute eigentlich nicht klar, was es denn ausmacht, dass wir wirklich als Paar zueinander stehen können, auch über lange Jahre hinweg.

Es ist auf jeden Fall so, dass es sich echt schrecklich anfühlt, aber wenn der- oder die Andere entscheiden hat, dass der Weg für ihn oder sie nicht mehr stimmig ist, dann ist das so.

Wir haben keinen Anspruch darauf. Manchmal sind es schlimme Umstände, die wir da erleben oder wir machen die Erfahrung, dass wir einfach ausgetauscht werden. Dann ist es sicherlich an der ein oder anderen Stelle total berechtigt, dass wir wütend oder sauer sind, – sowieso ist das berechtigt. Und da schließt sich der Kreis und ich komme wieder auf den Anfang des Artikels zurück:

Alle Gefühle sind berechtigt und wenn wir eben anfangen zu lernen, auch mit negativen Gefühlen zu sein und sie in uns selber auszuhalten und wenn wir zweitens lernen, tatsächlich uns selber die beste Freundin zu sein oder der beste Freund, dann sind wir schon einen Riesenschritt weiter auf dem Weg der Verarbeitung.

Das hört sich nicht besonders gravierend an, aber ich kann dir versprechen, es ist total gravierend, wenn du den innerlichen Shift machst, jeden Tag aufs Neue, dass du schaust, welche Gefühle sind da in dir.

Und dann lass sie tatsächlich mal zu. Das, was du in dir ablehnst, das muss da sein können.

Sonst leugnest du einen Teil von dir selber und im übrigen passiert es gerne, dass dann auch Dinge von uns abfallen. Negative Seiten dann nicht mehr relevant sind und von alleine gehen. Das nur als Nebenbemerkung, das ist ein anderes Thema, da gehe ich mal in einem der nächsten Blogartikel darauf ein.

Kurze Zusammenfassung:

Warum ist es aus meiner Sicht Scharlatanerei, wenn dir jemand verspricht, dass du in 5 Tagen den Trennungsschmerz überwinden kannst, wenn du nur die xy Punkte abarbeitest.

Deine Seele braucht Zeit. Du kannst ja mal versuchen, dir ihren Zustand auszumalen.

Was gibt es jetzt alles zu tun? Nicht nur vom Äußerlichen her, dass Dinge komplett neu sortiert werden müssen, meistens ist ja auch die Wohnsituation und/oder je nachdem wie deine Arbeitssitation ist, das Umfeld, Freunde, auf der familiären Ebene bricht jetzt gerade die Schwiegerseite weg oder ist zumindest gehörig ins Wanken geraten.

Manchmal gelingt es ja da, die Beziehungen in irgendeiner Form weiter zu führen, aber es ist trotzdem auf jeden Fall anders als vorher.

Wie nach einem Sturm, der gewütet hat- so viel ist zerstört und in Scherben, zerbrochen, jetzt muss sich alles wieder setzen und die Aufräumarbeiten beginnen.

Reparaturarbeiten, Verschönerungsarbeiten … oft ist es so, dass an den Stellen, wo jetzt Lücken sind, etwas ganz Neues entsteht und wenn du dich wirklich einlässt, wird es so sein.

Dann wirst du erleben, dass sich Schritt für Schritt dein Inneres seinen Raum nimmt und Du tatsächlich die wirst, die Du bist.

Dafür wünsche ich dir viel Kraft und alles Liebe!

Trennungsforum:

Hier findest du das Trennungs-Forum, von dem ich oben gesprochen habe: http://www.trennung-forum.de/forum/index.php

Bitte beachte, dass du dich dort anonym registrierst und auch keine Mail-Adresse verwendest, aus der man Rückschlüsse auf deine Person schließen kann.

Zunächst kannst du ja einfach mal einige Beiträge lesen.

Sollte es dir gefallen und du dich verstanden fühlen, kannst du dich dort registrieren und anschließend unter einem Pseudonym deine Geschichte erzählen. Und alle Fragen stellen oder auch in den Chat gehen, um anonym mit Leuten zu sprechen, die in ähnlicher Situation sind und dich sehr gut verstehen werden (nach meiner Erfahrung zu jeder Tages- und Nachtzeit!).

 

 
 

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